Die größte Entwicklung des letzten Jahrhunderts in der Orthopädie stellt die Einführung des künstlichen Gelenks dar. Menschen, die früher durch Arthrose eines Gelenks zunehmend immobiler wurden, z.T. an den Rollstuhl gefesselt waren, genießen heute wieder vermehrt Lebensqualität und sind aktiv.

Wahl des richtigen Operationszeitpunktes

  • Lebensqualität reduziert
  • Schmerzzunahme / Nachtschmerz / Ruheschmerz
  • Keine Aktivität ohne Medikamente
  • Muskulatur zunehmend reduziert
  • Funktionszustand des Gelenks (Beweglichkeit zunehmend schlechter)
  • Knochenzerstörung nimmt zu / Knochenqualität nimmt ab
  • Grunderkrankung (Arthrose, rheumatische Erkrankung, etc.)

Hauptkriterium stellt der Verlust an Lebensqualität dar. Dies ist jedoch für jeden Menschen unterschiedlich. Es entsteht ein zunehmender Leidensdruck, der dann nur schwer ertragbar ist. Der Schmerz spielt hier sicher eine zentrale Rolle. Zunächst als Belastungsschmerz, dann als Ruheschmerz. Insbesondere wenn er dann auch nachts auftritt, ist er nur noch schwer tolerierbar.

Op-Technik: Minimal invasiv

Weichteilschonende Operationstechniken sind elementar für moderne Orthopädie. Sie führen zu weniger Gewebsschädigung. Und erleichtern dadurch die Mobilisation des Patienten nach der Operation. Der ganze  Genesungsprozess ist dadurch beschleunigt. Das orthopädische Team hat diese Techniken seit vielen Jahren eingeführt. Prof. Sell war schon vor über 10 Jahren Instruktor für diese Techniken bei internationalen Operationskursen.

Der Fokus liegt jedoch nicht auf dem besonders kleinen Schnitt, sondern auf der Schonung des Gewebes im Umfeld der Operation. Dies führt zu den Erfolgen dieser modernen Technik.

Der Zugang zum Gelenk kann unterschiedlich sein, wichtig allein ist die schonende Operationstechnik. An der Hüfte gibt es zum Beispiel Zugänge von seitlich, vorne und hinten.

Digitale Technologie im OP

Kontinuierlich kommt  mehr HighTech im Op zum Einsatz.

  • Digitale Prothesenplanung (LINK)
    Das beginnt bei der digitalen Prothesenplanung, in der die beste Form der Prothese, der genaue Sitz und auch die Korrektur des Beines vor der Operation festgelegt werden. So geht der Operateur mit einem digitalen Plan in den OP, wie etwa mit „Google Maps“ ausgestattet, kann so die am besten passende Prothese auswählen und weiß bestens über die Korrekturwinkel und Einbaustellung der Prothese Bescheid

  • Navigation
    Die Navigation, die wir aus unserem Auto kennen, hat sich beim künstlichen Gelenk bei besonders schwierigen Fällen etabliert. Auch hier hat sich die Technologie weiter entwickelt. Unverändert besteht die Navigation mit großen Satelliten und Geräten. Ähnlich wie bei der Navigation im Auto können die Daten über Marker aus dem OP-Gebiet zu einem lokalen Satelliten im OP gesandt und hier zu Informationen für die OP verarbeitet werden. Daneben werden immer mehr auch Mini-Navigationsgeräte eingesetzt,  nicht größer als eine Streichholzschachtel. Die Daten werden auf ein Tablet gespielt, mit dem der Operateur dann besonders diffizile Situationen in der Simulation lösen kann.

  • Individuelle Anfertigung der Prothese
    Zeigen sich Probleme bezüglich der verfügbaren Prothesengrößen bei der digitalen Prothesenplanung, kann mit Hilfe einer Computertomographie (CT) auch individuell eine Prothese für den einzelnen Patienten hergestellt werden.

  • Individuelle Schablonen zur Positionierung von Prothesen (Knie)
    Mit Hilfe der Computertomographie kann inzwischen auch die Operation und die individuelle Lage der Prothese simuliert werden. Die Daten der Planung können durch eine individuelle Schablone, die nur an einer Stelle des Patientenknochens passt, dann in der Operation auf den Patienten übertragen werden. So kann der digital geplante Prothesensitz exakt realisiert werden.

  • Digitale Nachbehandlung
    Auch in der Nachbehandlung findet die Technologie ihren Einsatz. Die Krankengymnastik, das Training nach der Operation ist immens wichtig, um eine gute Funktion zu erhalten. Der Computer leitet über Filme an zum Training, bewertet die korrekte Ausführung und kann auch, falls gewünscht, dem Therapeuten und dem Orthopäden Rückmeldung über das durchgeführte Programm geben.

Prof. Sell: „Wir haben uns im letzten Jahrzehnt vom orthopädisch-manuellen Feinarbeiter zum zusätzlichen HighTech-Spezialisten entwickelt. Das Schwierigste bleibt jedoch, abzuschätzen welcher Patient von welcher zusätzlichen Technik profitiert. Das braucht unverändert viel Erfahrung, die uns der Computer nicht abnehmen kann. Der Computer wird uns zunehmend unterstützen und wir werden immer schwierigere Probleme mit seiner Unterstützung lösen können. Aber er kann unsere Erfahrung und insbesondere unser Gefühl bei der Operation nicht ersetzen. Dies wird auch weiterhin der Schlüssel zum Erfolg bleiben“.

Telemedizin

Moderne Medizin versucht durch zunehmende Spezialisierung noch bessere Qualität zu erzielen. Dazu haben wir uns moderne Technologie in Form der Telemedizin ins Haus genommen. Hierdurch sind wir jetzt in der Lage unsere Patienten bei Bedarf zusätzlich anderen Top Spezialisten z. B. in Ludwigsburg, Mühlacker vorzustellen. Der auswärtige Spezialist sieht direkt den Patienten direkt über eine abgesicherte Datenleitung auf seinem Bildschirm und kann sich digital in dessen Befunde einloggen, wir holen den Spezialisten sozusagen digital zu uns ins Haus.